KI-Kennzeichnungspflicht: Was du als Coach, Berater*in oder Solopreneur jetzt für deine Meta-Ads wissen musst

KI-Kennzeichnungspflicht

Ab dem 2. August 2026 gilt Artikel 50 der EU-KI-Verordnung. Was nach trockenem Behörden-Deutsch und einem Thema nur für Großkonzernen klingen mag, ist leider auch für dich wichtig. Wenn du Meta-Ads schaltest und dabei KI für Texte, Videos oder Bilder nutzt, musst du dich mit den neuen Regeln befassen. Die gute Nachricht: Für die meisten von uns ist das Thema deutlich entspannter, als es klingt. Lies in diesem Artikel, worauf du achten musst und wie du KI-Elemente in deinen Ads kennzeichnest.

Fakten für Eilige

Worum geht’s überhaupt?

Die Verordnung ist schon seit August 2024 in Kraft, aber Artikel 50 (der Teil mit der Kennzeichnungspflicht) wird erst ab August 2026 wirklich relevant. Demnach müssen ab dem 2. August 2026:

    • KI-generierte Texte, Bilder, Videos, Audioinhalte und Assistenten unter Umständen markiert werden
    • Deepfakes (täuschend echte KI-generierte Bilder oder Videos) so gekennzeichnet sein, dass sie klar als manipulierte Inhalte zu erkennen sind.

Kurz gesagt: Menschen sollen erkennen können, wann sie mit einer KI reden, wann ein Bild oder Video künstlich erzeugt wurde, und wann ein Text mit KI entstanden ist. Auch, wenn du in deinen Ads KI nutzt, musst du das ab August 2026 also kennzeichnen.

Besonders brisant ist das für eCommerce-Marken wie Zalando oder Aboutyou. Hier sieht man ja kaum noch Fotos echter Models. Ebenso Food-Brands – oft sind das auch keine echten Fotos von echtem Essen mehr. Für uns Coaches, Berater*innen und Solopreneure ist das Thema weniger brisant. Aber trotzdem wichtig. Wer sich nicht dran hält, riskiert Bußgelder bis zu 15 Millionen Euro.

Das Ganze gilt nicht rückwirkend. Es betrifft nur Inhalte – zum Beispiel deine Ads – die ab dem 2. August 2026 online gehen oder überarbeitet werden. Deine laufenden Kampagnen von davor musst du nicht nachträglich anfassen.

Was musst du kennzeichnen?

1. Anzeigentexte?

Entwarnung: Reine Werbetexte sind in fast allen Fällen nicht kennzeichnungspflichtig. Die Kennzeichnung bei Texten greift nur, wenn dein Text Themen behandelt, die von öffentlichem Interesse sind. Das ist der Fall bei Nachrichten-Artikeln oder politischen Stellungnahmen. Ganz normale Ads-Texte, Produktbeschreibungen oder Landingpage-Texte fallen da nicht drunter.

Glücklicherweise entfällt die Pflicht so oder so, sobald jemand den Text inhaltlich geprüft hat. Das machst du ja hoffentlich jedes Mal, stimmt’s? 😉 Wir wollen niemals einen KI-Text eins zu eins übernehmen! Niemals. Angenommen, du schreibst deinen Ads-Text mit ChatGPT oder Claude. Dann liest du den Text durch, findest einige Passagen nicht gut und änderst sie, bevor du den Text veröffentlichst. Das reicht aus – du musst den Text nicht als „KI-generiert“ kennzeichnen. Ein reiner Rechtschreib-Check hingegen zählt nicht als echte Prüfung.

Wichtig ist noch, dass du festhältst, wer den Ads-Text geprüft und redigiert hat. Hier reicht eine kurze Notiz, wer den Text wann freigegeben hat (beispielsweise in einer Excel-Liste), oder eine E-Mail, in der dein Kunde/deine Kundin sagt „Passt so, kannst du veröffentlichen.“ Das ist eine reine interne Dokumentation für den Fall der Fälle – falls mal jemand nachfragt. Du solltest zeigen können, wer wann was freigegeben hat.

Du siehst: alles halb so wild.

2. Bilder und Videos?

Hier wird’s spannender, und hier liegt dein eigentliches To-do. Entscheidend ist, wie dein Bild oder Video wirkt:

    • Fotorealistische Bilder oder Videos mit Personen, die echt wirken
      Diese gelten als „Deepfakes“ und sollten auf jeden Fall sichtbar gekennzeichnet werden. ☝️
    • Generische, klar künstlich wirkende Bilder oder Videos (Comic-Stil, Grafiken, Mockups)
      Unterliegen nicht der Pflicht und du kannst dich gegen eine Kennzeichnung entscheiden.

Beispiel: Baust du mit Canvas KI ein Bild von einer lächelnden Kundin am Laptop oder einer entspannten Coaching-Session in einer Praxis, musst du den Einsatz der KI kennzeichnen. Solche Bilder wirken oft täuschend echt und fallen damit unter die erste Kategorie. Personen, Orte, Ereignisse, Stimmen und Situationen, die realistisch wirken, musst du kennzeichnen. Für offensichtlich künstlerische, fiktionale und satirische Bilder und Videos gilt die Kennzeichnungspflicht nicht. Lässt du dir von Claude also ein Comic oder Doodle passend zu deinem Freebie designen und nutzt das in Ads, ist das offensichtlich fiktional.

Meine Empfehlung an dich: Wenn du nicht sicher bist, ob dein Bild oder Video eher „generisch“ oder eher „fotorealistisch“ wirkt, kennzeichne es einfach. 👍 Lies weiter – ich zeige dir gleich noch, wie & wo du es easypeasy kennzeichnest.

Kennzeichnet Meta KI-Inhalte nicht automatisch?

Teilweise, ja. Meta übernimmt einen Großteil der Kennzeichnung inzwischen selbst und zeigt automatisch einen Hinweis, sobald erkennbar ist, dass ein Inhalt mit KI erstellt wurde. Entweder weil Meta das technisch erkennt, oder weil jemand (du!) es selbst so angibt. Das heißt: Teilweise kann Meta deine Posts und Ads schon jetzt mit einem KI-Hinweis versehen.

User*innen können die KI-Info über das Drei-Punkte-Menü finden. Manchmal steht auch „KI-Info“ direkt über dem Ads-Bild.

KI-Label von Meta 1

KI-Label von Meta Beispiel 2

KI-Label von Meta Beispiel 3

Wenn du Metas eigene KI-Funktionen aus dem Werbeanzeigenmanager nutzt, funktioniert das zuverlässig. Bei Tools von Drittanbietern liest Meta die eingebetteten Credentials nach dem C2PA-Standard aus und kann diese auch kennzeichen. Heißt auf Deutsch: Canva, Claude und Co. können automatisch Daten mitsenden, anhand derer Meta weiß, dass es KI ist. Viele Tools machen das aber nicht zuverlässig. Dich blind auf Metas Automatik zu verlassen, ist also keine gute Idee.

Meine Empfehlung an dich: Gewöhn dir an, alles manuell zu kennzeichnen.

Wie kennzeichnest du richtig?

Wie die Kennzeichnung zu erfolgen hat, ist noch nicht geregelt. Klassiker! 😅 In den offiziellen EU-Leitlinien ist keine bestimmte Form vorgeschrieben – verlangt wird nur, dass spätestens beim ersten Kontakt mit deiner Ad eine klare, eindeutige Info zu sehen ist:

    • Das Label muss direkt im Bild oder Video selbst drin sein, nicht nur in der Caption oder im Anzeigen-Text, oder irgendwo im Impressum versteckt.
    • Es muss von Anfang an klar erkennbar sein und darf auch beim Teilen oder Runterladen nicht verschwinden.
    • Die EU stellt kostenlose Icons in mehreren Farbvarianten bereit.

➡️ Ich baue den KI-Hinweis immer oben rechts im Ads-Bild oder -Video ein. Das heißt, das ist nichts, was erst im Werbeanzeigenmanager passiert. Du musst dein Bild oder Video vorab mit Canva, Photoshop, Claude oder ChatGPT final kennzeichnen.

Ich mache es gerade groß genug, dass es sichtbar ist, aber auch nicht größer. 😉 Bei Videos achte ich darauf, dass es die gesamte Videodauer eingeblendet bleibt. Bisher habe ich immer „KI-generiert“ oben rechts hingeschrieben – ab August 2026 werde ich vielleicht auch mal auf die offiziellen Logos der EU zurückgreifen.

Texte übernehme ich nie eins zu eins von der KI, sodass ja keine Kennzeichnungspflicht besteht. Sollte sich das irgendwann ändern, würde ich – Stand heute – vermutlich am Ende des Ads-Textes in Klammern schreiben: „Dieser Text ist KI-generiert.“

+++ Bei dem Thema wird sich sicherlich noch viel, viel ändern. Komm in meinen Newsletter, damit du immer up-to-date bist, was meine Empfehlungen sind. +++

Tue das jetzt, damit du gut vorbereitet bist:

    1. Freigabeprozess für Texte festlegen: Klär für dich, wer KI-Texte inhaltlich checkt und absegnet, und schreib das irgendwo auf. Nimm eine Excell-Tabelle, und gut ist.
    2. EU-Icons runterladen: Hol dir die offiziellen EU-Icons und entscheid dich für eine feste Standardplatzierung. So musst du nicht bei jedem Creative neu überlegen. Ich mach’s immer oben rechts.
    3. Bilder und Videos sortieren: Geh deine geplanten Ads-Creatives durch und teil sie in die zwei Töpfe „fotorealistische Bilder mit scheinbaren Menschen drauf“ oder „generische Motive“. Der erste Topf braucht eine sichtbare Kennzeichnung – bau die ein.
    4. Nicht blind auf Meta verlassen: C2PA-Daten hin oder her. Bau die KI-Kennzeichnung lieber immer manuell ein.
    5. Nur relevant für dich, falls du Ads für andere schaltest: Verträge und Briefings anpassen. Wenn du für Kund*innen Ads schaltest, pack das Thema Kennzeichnung fest ins Briefing und klär vertraglich, wer dafür verantwortlich ist. So musst du Kund*innen hinterher auch nicht erklären, warum plötzlich ein Label auftaucht.

Fazit

Für uns Coaches, Berater*innen, Therapeut*innen oder Online-Unternehmer*innen ist das Thema relativ schnell erledigt – du musst nur einmal genau hinschauen. Das hast du getan, wenn du bis hierhin gelesen hast. 😉 Wenn du KI hauptsächlich für deine Ads-Texte nutzt und die eh selbst nochmal liest und redigierst, bist du aus dem Schneider. Arbeitest du mit realistisch wirkenden KI-Bildern von Menschen, solltest du dir vor dem 2. August 2026 einen kleinen, wiederholbaren Workflow zulegen. Der Aufwand dafür hält sich in Grenzen – die Konsequenzen, wenn du’s verpennst, vermutlich eher nicht.

Hinweis: Dieser Artikel gibt dir eine praxisnahe Einordnung, ersetzt aber keine individuelle Rechtsberatung. Ich bin obviously keine Rechtsanwältin. Bei konkreten Fragen zu deiner Situation lohnt sich die Rücksprache mit einer Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt. Ich empfehle gerne Rechtsanwältin Agi Wee, agiwee.com

Quellen:
European Commission
Meta 
Facebook Business Help
About.meta
IHK
Ideenfabrik
Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH

Stand vom 27. Juli 2026.

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Anna-Lena Eckstein

Online-Marketing-Mentorin mit dem Lieblingsthema Werbeanzeigen. Beyoncés größter Fan & Ex-Kölnerin auf Weltreise.

Meine Mission ist es, dir Marketing-Strategien zu zeigen, für die du nicht dauer-online sein musst. Zum Glück ist das kein Widerspruch, denn: Ads machen’s möglich! // Erfahre mehr über mich oder folge mir auf Instagram.

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